Digitaler Binnenmarkt: Europa reguliert Praktiken der Online-Marktplätze

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Die Europäische Union setzt ihr Engagement für einen digitalen Binnenmarkt in Europa weiter fort. Die EU-Verhandlungsführer haben vor Kurzem eine Vereinbarung zur Regelung der Beziehungen zwischen Online-Plattformen und Händlern getroffen. Das Ziel? Die Schaffung eines fairen, transparenten und berechenbaren Geschäftsumfelds für Unternehmen und Händler bei der Nutzung von Online-Plattformen in Europa. Im Folgenden werden die verschiedenen Elemente dieses Abkommens, das auf 7000 Plattformen und Markptätze in der EU abzielt, entschlüsselt.

1 von 2 Unternehmen nutzt Online-Marktplätze

Marktplätze sind in Europa zu einem Muss für Händler geworden. Laut einer Eurobarometer-Umfrage geben 42 % der EU-Unternehmen an, diese Plattformen zu nutzen, um ihre Produkte/Dienstleistungen über das Internet zu verkaufen. Diese Marketingkanäle ziehen immer mehr Online-Händler an, die bereit sind, die Vorteile dieser Plattform zu nutzen, um im Ausland bekannter zu werden und ihr Geschäft auszubauen. Als Reaktion auf diesen Marktplatz-Ansturm sind auf dem europäischen Markt einige unlautere Geschäftspraktiken zu beobachten. Dies hat die EU veranlasst, sich mit dem Thema zu befassen, um Lösungen zu finden, um den Markt zu bereinigen und gleichzeitig die bereits etablierte Dynamik zu erhalten.

Zum Herunterladen > Erfolgreich auf Marketplaces verkaufen

In einer Mitteilung zu Online-Plattformen und dem digitalen Binnenmarkt stellte die Kommission 2016 fest, dass es einige Bereiche gibt, in denen weitere Anstrengungen erforderlich sind, um „ein vertrauenswürdiges, rechtlich geordnetes und innovationsorientiertes europäisches Ökosystem zu gewährleisten“. Zwei Jahre später schlug die Kommission eine Verordnung über Fairness und Transparenz im Handel mit Online-Plattformen vor. Dieses Projekt wird mit dem Abschluss einer politischen Einigung zwischen dem Europäischen Parlament, dem Rat und der Europäischen Kommission im Februar 2019 fortgesetzt.

Die heutige Einigung ist ein wichtiger Meilenstein für den digitalen Binnenmarkt, der Vorteile für Millionen europäischer Unternehmen mit sich bringen wird, die beim Kundenkontakt auf digitale Plattformen angewiesen sind. Unser Ziel ist es, einige der besonders unlauteren Praktiken zu verbieten und einen Maßstab für Transparenz zu schaffen. Gleichzeitig wollen wir die großen Vorteile von Online-Plattformen sowohl für die Verbraucher als auch für die Unternehmen wahren“, sagte Andrus Ansip (Vizepräsident für den digitalen Binnenmarkt).

Schluss mit unlauteren Praktiken

Mit diesen neuen Regeln haben digitale Plattformen nicht mehr das Recht, das Konto eines Verkäufers plötzlich und unerklärlich zu sperren oder zu schließen. Wird das Verkäuferkonto eines Händlers versehentlich gesperrt, muss die Plattform es erneut aktivieren.

Die Geschäftsbedingungen auf diesen Plattformen müssen leicht zugänglich und klar formuliert sein. Im Falle von Änderungen dieser Bedingungen müssen die Marktplätze die Verkäufer mindestens 15 Tage im Voraus informieren, damit sie sich anpassen können.

Mehr Transparenz

Auch mehr Transparenz wird von den E-Commerce-Plattformen gefordert. Dazu müssen sowohl Marktplätze als auch Suchmaschinen den Verkäufern die wichtigsten Ranking-Kriterien für die auf ihrer Plattform verkauften Waren/Dienstleistungen mitteilen. Das Ziel? Den Verkäufern so viele Informationen wie möglich zur Verfügung zu stellen, um ihnen zu helfen, ihre Sichtbarkeit auf der betreffenden Website optimieren zu können.

Einige Online-Plattformen bieten nicht nur einen Marktplatz, sondern sind gleichzeitig selbst Verkäufer auf demselben Marktplatz. Nach den neuen Transparenzvorschriften müssen die Plattformen alle Vorteile offenlegen, die sie ihren eigenen Produkten gegenüber jenen Dritter möglicherweise geben.

Schließlich müssen diese Plattformen angeben, welche Daten sie sammeln und wie sie diese verwenden.

Eine geordnete Streitbeilegung

Im Falle eines Streits oder einer Beschwerde müssen E-Commerce-Plattformen den Verkäufern ein System zur Bearbeitung von Beschwerden zur Verfügung stellen. Im Falle eines Konflikts müssen sie daher auch einen Mediator anbieten, der das Problem löst. Dies soll dazu beitragen, mehr Probleme außergerichtlich zu lösen, und somit Unternehmen Zeit und Geld zu sparen.

Hinweis: Einige Plattformen werden aufgrund ihrer Mitarbeiterzahl oder ihres Umsatzes freigestellt.

Wie geht es weiter?

Mariya Gabriel, die für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständige Kommissarin, erklärte: „Dies sind weltweit die ersten Vorschriften dieser Art, und sie sorgen für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Förderung von Innovation und dem Schutz unserer europäischen Werte. Sie werden die Beziehungen zwischen Unternehmen und Plattformen verbessern, sie fairer und transparenter machen und letztlich große Vorteile für die Verbraucher mit sich bringen. Wir werden die Entwicklung in diesem Bereich aufmerksam verfolgen, nicht zuletzt über die Beobachtungsstelle für Online-Plattformen.“

Diese neuen Vorschriften, die für alle EU-Mitgliedstaaten gelten, treten zwölf Monate nach ihrer Annahme in Kraft, die in den kommenden Wochen erfolgen wird. Anschließend wird eine Überprüfung durchgeführt, um sicherzustellen, dass sie mit den Marktentwicklungen Schritt halten.

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Adrian Gmelch

Adrian Gmelch ist Tech- und E-Commerce-begeistert. Er betreute zunächst große Tech-Unternehmen bei einer internationalen PR-Agentur in Paris, bevor er für die internationale Öffentlichkeitsarbeit bei Lengow tätig wurde.