[Interview] Cross-Border-Marktplätze in Europa unter der Lupe

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Anlässlich der Veröffentlichung der ersten Ausgabe der „Top 20 Marketplaces Cross-Border Europe“ teilt Carine Moitier, Gründerin von Cross-Border Commerce Europe, mit uns die neuesten Markttrends und spricht über die Marktplätze, die in Europa herausragen.

1/ Wie entwickelt sich der Cross-Border-Markt für Marktplätze?

Nach unseren Schätzungen machten grenzüberschreitende Verkäufe von Marktplätzen, die von Unternehmen mit europäischem Kapital betrieben werden, im Jahr 2018 einen Umsatz von 9 Milliarden Euro (exkl. Tourismusbranche), was etwa 21 % des Gesamtmarktes für grenzüberschreitende Marktplätze in Europa ausmacht. Dieser wird nämlich auf 42 Milliarden Euro geschätzt, wobei Amazon davon 28 Milliarden Euro erwirtschaftet. Es wird jedoch erwartet, dass die europäischen Cross-Border-Marktplätze ihr Business um mehr als 50 % steigern und im Jahr 2020 einen Umsatz von 15 Mrd. Euro erreichen werden.

2/ Welche Faktoren erklären diese Tendenz?

Wir sehen vor allem zwei Faktoren, die diesen Trend erklären.

Die großen grenzüberschreitenden EU-Marktplätze Fnac (FR), Spartoo (FR), Zalando (DE), Fruugo (UK), Pixmania (FR), Farfetch sowie Asos (UK), Bytbil (NO), Mobile.de (DE) und Coolshop (DK) werden ein starkes organisches Wachstum verzeichnen, während im Durchschnitt 50% ihres Umsatzes auf Verkäufe von Dritten entfallen. Es wird erwartet, dass dieser Anteil weiter steigt.

EU-Marktplätze, die lokal operieren, suchen nach Wachstumschancen außerhalb ihrer Grenzen, wie z.B.: 2dehands und 2emememain (BE), Marktplaats und Bol.com (NL), On Buy und Flubit (UK), Cdiscount, La Redoute, Rakuten/Priceminister (FR), Otto.de (DE), eMag (Osteuropa), Fyndiq (SE), Worten.pt (PT), Onbuy (UK), Clasohlson (SE), Wilhaben.at (AT), Gigantti und Verkkokauppa (FI), Allegro (PL), Jofogas.hu (HU), Real.de (DE).

In Frankreich hat Amazon einen Marktanteil von rund 14,2 % (exkl. Tourismusbranche), gefolgt von Cdiscount (7,8 %). Nur 5 % des E-Commerce von Amazon werden in Frankreich abgewickelt, verglichen mit 95 % bei Cdiscount. In den Niederlanden plant Bol.com die Expansion in neue geografische Gebiete. Der Markt ist der wichtigste Wachstumstreiber. Heute verkaufen bereits 23.000 Drittanbieter-Händler auf Bol.com.

3/ Welche europäischen Marktplätze stehen an der Spitze des Rankings?

Die Top 5 der B2C-Marktplätze mit europäischem Kapital sind Zalando, Fruugo, Asos, Farfetch und Carrefour. Folgende Grafik gibt einen guten Überblick:

Ecommerce_Crossborder_Europe_2019

4/ „Retail as a Service“, auch für Marktplätze wichtig?

„Retail as a Service“, der von den meisten Marktplätzen angeboten wird, wird immer mehr zum „Muss“ mit folgenden zentralen Dienstleistungen: Transport, Retourenmanagement, Flow Management, Cloud Computing Services, Payment und Online Marketing.

5/ Wie sehen Sie die Entwicklung dieses Marktes?

Wir erwarten das Entstehen neuer europäischer Nischenmärkte bis 2020. Diese Nischenmärkte sind inzwischen in den USA und Großbritannien sehr beliebt, zum Beispiel: Newegg für den globalen Elektronikmarkt, Reverb für Musiker, Zibbet für unabhängige Künstler und Houzz für Interieur-Enthusiasten.

 

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Adrian Gmelch

Adrian Gmelch ist Tech- und E-Commerce-begeistert. Er betreute zunächst große Tech-Unternehmen bei einer internationalen PR-Agentur in Paris, bevor er für die internationale Öffentlichkeitsarbeit bei Lengow tätig wurde.