Welche Tendenzen zeichnen sich für 2019 im E-Commerce ab? (Teil 1)

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2018 war ein erfolgreiches Jahr für den E-Commerce, aber auch 2019 wird wieder ein bedeutsames Jahr für den noch jungen Onlinehandel. Werfen wir in diesem ersten Beitrag einen Blick auf 5 Themen und Tendenzen, die für die E-Commerce-Branche im Jahr 2019 eine Rolle spielen werden.

Tendenzen 2019

1/ Stärkere Bindung zwischen Roboter und Mensch

Wie Jean-Philippe Desbiolles (Vizepräsident Watson/Cognitive Transformation – IBM Watson) auf dem Lengow Day 2018 erwähnte, „ist [Künstliche] Intelligenz nicht magisch und es braucht Zeit, sie einzuführen“.

Zu den Hauptkategorien der Anwendung von KI gehören: Personalisierung und Verbesserung des Kundenerlebnisses, robotische und intelligente Logistik, visuelle Suche, Marktplatzverwaltung, Datenbankmanagement, Chatbots, persönliche Assistenten usw.

Auch in diesem Jahr wird KI weiterhin in die Strategien von Onlinehändlern und Konsumenten integriert. Die Investitionen in diesem Bereich werden fortgesetzt, ebenso wie das Funktionieren und das Zusammenleben mit den Menschen. 2017 war der KI-Markt 4,8 Milliarden Dollar schwer; bis 2025 werden 90 Milliarden Dollar Umsatz erwartet. Auch 2019 bleiben viele Herausforderungen für Onlinehändler in diesem Bereich bestehen.

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2/ Bedeutung der Sozialen Netzwerke für Online-Shopping

Soziale Netzwerke sind zu einem unverzichtbaren Treffpunkt zwischen Angebot und Nachfrage geworden. Mit fast der Hälfte der weltweit aktiven Nutzer (42 %) werden Social Media 2019 noch mehr Marken, die ihr Universum und ihre Produkte bewerben wollen, anziehen.

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Dynamic Ads, Collection, Canvas, Marketplace, Instagram „Shopping“, Pinterest „Shop The Look“ oder Visual Research auf Snapchat – bei Social Media fehlt es nicht an Möglichkeiten, Marke und Produkte zu bewerben, und das Potenzial ist immer noch sehr groß.

Sich dieser wachsenden Nachfrage bewusst setzen soziale Netwerke ihre Dienste täglich ein und verbessern sie laufend. Die Herausforderung besteht darin, der in China unverzichtbaren Messaging-Anwendung Wechat (Tencent) zu folgen, um ihren Nutzern eine Vielzahl von Dienstleistungen, wie z.B. Online-Shopping, anzubieten, und sie damit so lange wie möglich in ihrer eigenen Plattform zu halten.

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3/ Unterhaltsamer und interaktiver Konsum immer wichtiger

Die Verbraucher wollen jetzt ein einzigartiges Erlebnis, das ihr Einkaufserlebnis prägt. Lange waren Konsumenten auf der Suche nach dem besten Preis, aber allmälich bevorzugen diese anspruchsvoll gewordenen E-Shopper nun den Unterhaltungswert gegenüber dem Preis eines Produkts.

So gehen in China beispielsweise Unterhaltung und Online-Shopping Hand in Hand. Konsumieren ist eine echte Lebensweise geworden, bei der die Interaktion zwischen Marken und Käufern entscheidend ist.

Laura Pho Duc, Marketing Managerin bei Alibaba, wies beim Lengow Day 2018 daraufhin, dass „die Konsumgewohnheiten in China diejenigen sind, die die europäischen Verbraucher von morgen haben werden“.

Lesetipp > Interview: Alibaba ist die Schlüsselfigur auf dem chinesischen Markt

Während diese Art des Konsums in China bereits gut etabliert ist, entwickelt sich die Kombination aus Shopping und Unterhaltung in den westlichen Ländern erst allmählich. Vor einigen Monaten haben wir bereits berichtet wie beispielsweise IKEA oder Amazon Augmented-Reality-Anwendungen implementieren und damit den Shopping-Spaß erheblich erhöhen.

Was die Virtual Reality betrifft, so zieht auch diese Technologie immer mehr Verbraucher an. Laut einer Studie von Facebook* sind 63 % der Befragten daran interessiert, Virtual Reality zu nutzen, um Produkte erleben zu können, ohne den Fuß in physische Geschäfte setzen zu müssen.

*Die Studie wurde in 11 Märkten durchgeführt: Australien, Brasilien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Indien, Indonesien, Nigeria, Südkorea, Großbritannien und Vereinigte Staaten.

4/ Entwicklung und Vereinheitlichung des digitalen Marktes

Das Jahr 2018 wurde von zwei neuen europäischen Verordnungen geprägt: der DSGVO und der Geoblocking-Verordnung. Am 25. Mai trat die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft, mit dem Ziel, die Vorschriften über personenbezogene Daten in allen EU-Ländern zu harmonisieren. Und am 3. Dezember, war es an der Zeit, die ungerechtfertigte geografische Online-Blockade in Europa zu beenden.

Im Jahr 2019 ist es sehr wahrscheinlich, dass weitere Regelungen für den Onlinehandel auf EU-Ebene diskutiert werden, da die Absicht besteht, den europäischen E-Commerce auch über die diesjährigen Verordnungen hinaus zu fördern, zu vereinheitlichen und zu verfeinern.

5/ Digitalisierung von Konsumgütern

Der Konsumgüter-Sektor, der lange Zeit im E-Commerce zurücklag, ist heute führend in der E-Commerce-Szene. Mit einem Anteil von fast 60 % sind es Pure Player, die den größten Teil dieses Marktes im Internet besetzen, etwa Amazon, Alibaba oder JD.com. Letztere verfielfachen ständig ihre Akquisitionen und Kooperationen, um diesen Markt auch zu halten. Laut Kantar Worldpanel werden bis 2025 mehr als 10 % der Konsumgüterausgaben weltweit online stattfinden.

Traditionelle Lebensmittel-Distributoren sind jedoch nicht zu übertreffen, da etwa Carrefour mit dem eigenen Transformationsplan 2022 oder LIDL, das über einen erfolgreichen und intuitiven Online-Shop verfügt*, ihre digitalen Projekte beschleunigt haben. Die E-Commerce-Expertise dieser Marken wird ihnen eines Tages den entscheidenen Vorteil bringen.

*Auf Platz 6 der umsatzstärksten Onlineshops in Deutschland (EHI Retail Institute).

Weitere Trends und Tendenzen im E-Commerce 2019 folgen in Teil 2.

Adrian Gmelch

Adrian Gmelch ist Tech- und E-Commerce-begeistert. Er betreute zunächst große Tech-Unternehmen bei einer internationalen PR-Agentur in Paris, bevor er für die internationale Öffentlichkeitsarbeit bei Lengow tätig wurde.