Amazon entfernt Marken aus Vendor Central und bringt sie zu Seller Central

6'

Viele US-Marken, die Amazon Vendor Central verwenden, wurden von diesem Programm kurzfristig entfernt und an Amazon Seller Central weitergeleitet. Welche Gründe hat Amazon für dieses Manöver? Welche Veränderungen wird diese Entscheidung mit sich bringen? Was bedeutet das für Marken, die auf Vendor Central setzen? Im Folgenden geben wir einen Überblick der neuen Maßnahmen des US-amerikanischen E-Commerce-Riesen.

Amazon setzt seine neue Strategie durch

Wenn eine Marke bei Amazon verkauft, kann sie normalerweise zwischen Vendor Central und Seller Central wählen oder sich sogar für beide entscheiden. Aber diese Möglichkeit scheint jetzt vorbei zu sein.

Am 4. März wurden Zehntausende Marken in den USA aus dem Vendor Central Programm geworfen. Amazon informierte die Betroffenen, dass alle Bestellungen gestoppt werden, dass ihr Bestand auf null gesetzt werde oder dass technische Probleme mit dem Bestellsystem festgestellt wurden. Für einige Marken galten diese „Probleme“ nur vorübergehend, doch für andere waren diese endgültig: „Das vorgeschlagene Angebot wird deaktiviert, wenn das Produkt nicht mehr auf Lager ist“. Die von dieser Änderung betroffenen Marken wurden daraufhin an das Amazon Seller Central weitergeleitet.

Zu den betroffenen Marken zählen solche, deren Umsatz bei Amazon gleich oder weniger als 10 Millionen US-Dollar pro Jahr beträgt und die keinen eigenen Amazon Vendor Manager haben. Lieferanten, die sperrige, schwere Ware oder Großhandelsware mit besonders hohen Versandkosten verkaufen, gehören ebenfalls zur Zielgruppe.

Während Amazon kleine Marken ausschließt und sie an das Seller Central weiterleitet, werden umgekehrt einige der größeren Marken vom Vendor Central (die einen Umsatz von mehr als 10 Millionen Dollar pro Jahr erzielen) gebeten, ihr „paralleles“ Geschäft mit Seller Central einzustellen.

Lesetipp > Der neue Trend bei Amazon: Wieso wechseln immer mehr Marken zum Modell „Seller Central“?

Nach dieser Ankündigung, die für Aufsehen im globalen E-Commerce-Ökosystem sorgte, hat Amazon seine Entscheidung, die Mehrheit der Bestellungen zu stornieren, teilweise rückgängig gemacht. Der E-Commerce-Riese erklärte, dass die Aufträge nach einer „vorübergehenden Pause“ unter bestimmten Bedingungen, wieder aufgenommen würden. Amazon lädt Händler ein, sich im Markenregister zu registrieren, einem Programm, das es Eigentümern und Lizenznehmern einer Marke ermöglicht, den Nachweis zu erbringen, dass sie berechtigt sind, die Produkte dieser Marke zu verkaufen. Verkäufer haben somit 60 Tage Zeit, sich in diesem Register zu registrieren, um wieder Zugang zur automatischen Ausführung ihres Bestellformulars zu erhalten. Händler, die keine Marke besitzen, werden automatisch an Seller Central zurückgeschickt.

Warum verhält sich Amazon so?

Laut Amazon ist das Ziel dieser Entscheidung, das Kundenerlebnis zu verbessern und zu standardisieren und „unseren Kunden eine bessere Auswahl, einen besseren Wert und mehr Komfort zu bieten“. Darüber hinaus sucht das E-Commerce-Unternehmen auch nach einer besseren Kontrolle der Marken, die auf seiner Plattform verkaufen, mit besonderem Schwerpunkt auf der Bekämpfung von Fälschungen. Die von Amazon bei Verkäufern angeforderte Eintragung in das Markenregister ist daher nicht unerheblich. Amazon will Händler eliminieren, die schlechte Qualität bieten oder gefälschte Produkte verkaufen.

Amazon eliminiert Lieferanten, die sowohl das Einkaufserlebnis der Kunden als auch die Markenpositionierung beeinträchtigen und dem Unternehmen wertvolle Ressourcen kosten, die es aufrechterhalten muss, mit geringerer Rentabilität, als wenn sie von Dritten verkauft würden“, erklärt Juozas Kaziukenas, CEO von Marketplace Pulse.

Seller Central und Vendor Central sind in vielerlei Hinsicht (Werbe-, Marketing- und Ranking-Algorithmen) gleich, es gibt lediglich Unterschiede bei der Preisgestaltung, dem Geschäftsmodell und der Ausführung. Daher auch die Gerüchte über eine mögliche Fusion zwischen diesen beiden verschiedenen Amazon-Plattformen, die im Ende 2018 veröffentlichten Recode-Bericht zu finden sind.

Gerüchten zufolge soll Amazon im Begriff sein, ein System namens Amazon „One Vendor“ zu starten. Dieses einheitliche Portal würde Vendor Central und Seller Central in einem einzigen Bereich zusammenführen, in dem Amazon den Anbietern mitteilen würde, welchen Service sie nutzen sollen. Eine Möglichkeit, die Tools und Dienstleistungen, die der Marktplatz allen seinen Verkäufern anbietet, zu standardisieren. Beispielsweise haben einige Kunden bereits eine Nachricht von Amazon erhalten, dass eines ihrer beiden Konten innerhalb von 30 Tagen nach der E-Mail geschlossen wurde.

Die Zeiten, in denen Amazon den Marken die Wahl des Programms ließ, scheinen damit vorbei zu sein: Verkäufer haben nicht mehr die Freiheit, zwischen Vendor Central und/oder Seller Central zu wählen. Amazon ist nun für die Umleitung von Verkäufern auf der Grundlage von Produktkatalog, Umsatz, Verkauf und Rentabilität usw. verantwortlich. In diesem Zusammenhang sagt der Gründer von Teikametrics, Alasdair McLean-Foreman: „Die Fusion von Vendor Central und Seller Central optimiert die Rentabilität von Amazon und bietet den Verbrauchern niedrigere Preise und eine massive Auswahl.“

Amazon könnte daher von dieser Fusion in vielerlei Hinsicht profitieren, darunter:

  • eine klarere Sicht auf Produktangebote, Bestellhistorie und Kundenkaufpräferenzen
  • eine bessere Effizienz für den Betrieb einer Plattform (im Gegensatz zu zwei Plattformen), 
  • die Beseitigung doppelter Dienste, die zu Einsparungen führen,
  • Abrechnung von Zusatzleistungen wie Lagerung und Versand von Produkten.

Was das für Online-Händler bedeutet

Die von diesem Ausschluss betroffenen und zur Nutzung des Services Seller Central eingeladenen Marken müssen daher ihre mittel- und langfristige Strategie überdenken. Wenn sie sich in der Vergangenheit für die volle Amazon-Unterstützung mit Vendor Central (dem damals einzigen verfügbaren Modell) entschieden haben, müssen sie ihr Geschäft nun allein über Seller Central abwickeln: Lager- und Retourenmanagement, Abonnement, wenn sie den Service „Versand durch Amazon“ in Anspruch nehmen wollen, Kundendienst, Mehrwertsteuererhebung usw. Um mehr zu erfahren, empfehlen wir Ihnen, unseren Guide zu Vendor Central und Seller Central zu entdecken.

Der Wechsel von Vendor Central zu Seller Central ist jedoch nicht unbedingt eine schlechte Sache. Neben der Möglichkeit, eigene Verkaufs- und Promotionspreise festzulegen, haben Verkäufer einen besseren Überblick über ihre Verkäufe und Kunden sowie eine größere Entscheidungsbefugnis über ihren Bestand. Es sei darauf hingewiesen, dass im Jahr 2018 laut Bloomberg mehr als die Hälfte, der bei Amazon verkauften Produkte von Verkäufern des Seller Central Service stammt.

Hinweis: CNN zufolge wird Amazon seinen Drittanbietern nicht mehr verbieten, ihre Produkte auf anderen Websites für weniger als auf seiner Website zu verkaufen. Doch laut Digiday hat Amazon damit begonnen, einen Höchstpreis pro Referenz festzulegen…

Warum also nicht diese Ankündigung durch Amazon nutzen, um Ihr Geschäft zu diversifizieren und gleichzeitig Ihre Risiken gleichmäßiger zu verteilen?

Wie Lengow Ihnen helfen kann, über Seller Central zu verkaufen

Während diese Ankündigung vorerst nur Amazon USA betrifft, sollten europäische Verkäufer nun das Marktplatzmodell in Betracht ziehen, sei es auf Amazon und/oder anderen Marktplätzen. Deshalb stehen Ihnen unsere Teams zur Verfügung, um Ihnen über unsere Plattform bei Ihren ersten Schritten bei Seller Central zu helfen. Mit Lengow können Sie Ihre Bestellungen über eines unserer Plugins oder unsere API zentralisieren, aber auch mehrere Versandservices über Marktplätze verwalten (einschließlich Fulfillment durch Amazon).

Wenn Sie Fragen haben oder Hilfe bei der Suche nach den richtigen Online-Marktplätzen benötigen, wenden Sie sich an unser Team, das Sie über die Marktplatz-Möglichkeiten informiert:

Kontaktieren Sie unser Team

Quellen: Digiday, Forbes, Bloomberg, CNN.

Bild: Amazon Press Room

author_avatar

Adrian Gmelch

Adrian Gmelch ist Tech- und E-Commerce-begeistert. Er betreute zunächst große Tech-Unternehmen bei einer internationalen PR-Agentur in Paris, bevor er für die internationale Öffentlichkeitsarbeit bei Lengow tätig wurde.